Klares Ja zu sozialem Wohnraum

Wir möchten euch unser neues Mitglied in unserer Fraktion vorstellen. Herzlich willkommen, Esther Czasch. Die 36-jährige Rechtsanwältin mit eigener Kanzlei in Viernheim und Mannheim rückt für Klaudia Forg in die Stadtverordnetenversammlung nach und übernimmt auch ihren Sitz im Ausschuss für Umwelt, Energie und Bauen. „Als Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht freue ich mich sehr, meine Expertise nun auch für Viernheim mit einbringen zu dürfen“.

In unserem letzten Beitrag zum „Podium der demokratischen Parteien“ aus dem Viernheimer Tageblatt geht sie auf die existenzielle Bedeutung bezahlbaren Wohnraums ein und nimmt dabei Bezug auf die entsprechende Beschlussvorlage der Verwaltung (Beschlussvorlage_Baustrategie_sozialer_Wohnraum).

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Was ist für den Menschen wichtig? Diese Frage kann eine sehr individuelle sein. Wenn man sie sich stellt und beginnt, im Kopf eine Liste zu schreiben, kommt man früher oder später jedoch an den Punkt, auch priorisieren zu müssen. Man bemerkt, dass gewisse Dinge wichtiger sind und dann vielleicht doch nicht mehr so individuell. Es gibt Dinge, bei denen man sich nicht entscheiden kann, ob man sie braucht oder nicht. Diese Dinge sind schlichtweg so wichtig, dass man ohne sie nicht leben kann. Sie sind existenziell. Dazu gehören Luft, Wasser, Nahrung, Zugang zu medizinischer Versorgung und auch ein Dach über dem Kopf. Letzteres stand gerade in den vergangenen Jahren vor historischen Herausforderungen.

In Folge der Banken- und Finanzkrise ab 2007 fluteten weltweit die Notenbanken die Märkte mit Geld, um den Kollaps ganzer Volkswirtschaften zu verhindern. Die Zinsen sanken und Investoren suchten nach neuen Möglichkeiten, Renditen zu erwirtschaften. Sie fanden sie im Wohnungsmarkt. Die Nachfrage übertraf schnell das Angebot und führte so zum Anstieg der Immobilien- und Mietpreise.

Auch die Entwicklung eher in die Stadt als aufs Land zu ziehen, ist eine Medaille mit zwei Seiten. Viernheim gilt mit ihrer Lage in der Metropolregion Rhein-Neckar zwischen dem wirtschaftsstarkem Mannheim und den Erholungsgebieten an der Bergstraße als ein attraktiver Ort zum wohnen und leben und erlebt so stetigen Zuwachs. Eine Perspektive, um die uns viele andere Kleinstädte in Deutschland beneiden. Diese Attraktivität droht allerdings zu schwinden, wenn auch hier Immobilien und Mieten nicht mehr zu bezahlen sind.

Besonders eklatant sichtbar wird diese Problematik, wenn Menschen auf ihrer Flucht vor Krieg und Tod Sicherheit bei uns suchen. Nur mit größter Mühe und viel Einsatz schafft es die Stadt, Erstunterkünfte zu organisieren oder Bleibeberechtigte bei Ihrer Wohnungssuche zu unterstützen.

Man muss es ganz klar aussprechen: Wohnen ist mittlerweile zu einer sozialen Frage geworden.

Die Beschlussvorlage der Verwaltung bei der letzten Stadtverordnetenversammlung ist ein wichtiger Schritt, kann allerdings nicht das Ende sein. Seit jeher setzt sich die SPD Viernheim mit Nachdruck für die Schaffung sozialen Wohnraums ein. Jetzt im Heinrich-Lanz-Ring und der Peter-Minning-Straße aktiv zu werden, begrüßen wir sehr. Auch weiter dafür zu sorgen, dass sozialer Wohnraum mit direktem Zugriffsrecht für die Stadt geschaffen werden soll, sehen wir als absolut notwendig an.